Südtiroler Museumstag 2025: Junge Menschen und Museen

Junge Menschen auf Schloss Tirol. Foto Alex Filz
Junge Menschen auf Schloss Tirol. Foto Alex Filz

Der Südtiroler Museumstag ist eine jährliche Fachtagung für die Südtiroler Museumswelt.

Wie kann sich ein Museum jungen Menschen öffnen? Wie lassen sie sich attraktiver, spannender und näher an der Sprache der jungen Menschen gestalten? Die Ausgabe 2025 des Südtiroler Museumstags widmete sich dem Thema „Junge Menschen und Museen”.

Die Tagung fand am 27. November 2025 im Museion in Bozen statt und bot Impulse, Praxisbeispiele und bewährte Ansätze, um die kulturelle Teilhabe junger Generationen neu zu denken. Junge Menschen werden dabei nicht nur thematisiert, sondern aktiv in die Diskussion einbezogen.

Veranstaltet wurde der Museumstag 2025 vom Museumsverband Südtirol, dem Betrieb Landesmuseen und dem Amt für Museen und museale Forschung der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol.

Praktische Informationen:

  • Datum: Donnerstag, 27. November 2025
  • Uhrzeit: 9.15 - 16 Uhr (Registrierung ab 8.30 Uhr)
  • Ort:
    Museion - Museum für moderne und zeitgenössische Kunst
    Piero-Siena-Platz 1, Bozen
    Multifunktionsraum im Untergeschoss
    Anreise zum Museion
  • Sprache: Deutsch und Italienisch (ohne Simultanübersetzung)
  • Kostenlose Teilnahme
  • Info: museen@provinz.bz.it

Zum Inhalt dieser Seite

  1. Thema
  2. Programm
  3. Vorträge
  4. Vortragende
  5. Archiv

Thema

Wie kann sich die Institution „Museum“ jungen Menschen öffnen? Unter „jungen Menschen“ soll im Rahmen dieser Veranstaltung die große Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren verstanden werden. Wie also ein Museum attraktiver für sie gestalten und die Inhalte unterhaltsam und spannend vermitteln? Wie kann das Museum sich auf sie einstellen und wie sie miteinbeziehen? Welche Zugänge und welche Sprachen eignen sich am besten, um junge Menschen anzusprechen? Und welche Vermittlungsformate sind wirkungsvoll? Welche Themen wecken ihr Interesse? Es ging um das große Thema: Wie junge Menschen fürs Museum gewinnen? 

Der Südtiroler Museumstag 2025 sollte diese Fragen diskutieren und das Thema „Junge Menschen und Museen“ behandeln. Die Veranstaltung wollte mögliche Antworten auf diese Fragen aufzeigen: Auf dem Programm standen Inputvorträge von Expertinnen und Experten der kulturellen Teilhabe, der Vermittlung und der Kommunikation, in einer Poster-Session wurden Beispiele aus Südtiroler musealen Strukturen vorgestellt und diskutiert, und am Nachmittag ging es in den direkten Austausch mit jungen Menschen. 

Programm

8:30 Ankunft und Registrierung
Museion, Multifuktionsraum Untergeschoss

9:15 Begrüßung und Eröffnung der Tagung:

  • Philipp Achammer, Landesrat für Deutsche Bildung und Kultur, für Bildungsförderung, Kulturgüter, Innovation, Forschung, Universität und Museen
  • Bart van der Heide, Museion
  • Franz Schöpf, Abteilung Innovation, Forschung, Universität und Museen der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol
  • Angelika Fleckinger, Betrieb Landesmuseen
  • Robert Gruber, Südtiroler Museumsverband

9:30 Vorträge:

  • Adrian Scholz-Alvarado, Kulturelle Teilhabe junger Menschen zwischen Anspruch, Wirklichkeit und Widerständen: Erfahrungen aus Berlin und ein Blick darüber hinaus (in deutscher Sprache, online)
  • Monika Holzer-Kernbichler, Jugendliche im Museum? (in deutscher Sprache)
  • Tommaso Galligani, Museumskommunikation und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – das Beispiel der Uffizien (in italienischer Sprache)

11:00 Pause
Erdgeschoss, Museion Passage und Café Museion

11:30 Poster Session
mit Projekten von Museen, Sammlungen und Ausstellungsorten

13:00 Mittagessen
Erdgeschoss, Museion Passage und Café Museion

14:15 World Café
Interaktives Nachmittagsprogramm mit jungen Menschen

16:00 Abschluss

Das Programm des Südtiroler Museumstags 2025 im PDF-Format

Vorträge

Kulturelle Teilhabe junger Menschen zwischen Anspruch, Wirklichkeit und Widerständen: Erfahrungen aus Berlin und ein Blick darüber hinaus
(Adrian Scholz Alvarado)

Was wissen wir über die kulturelle Teilhabe junger Menschen? Was motiviert sie zum Besuch von Kultureinrichtungen? Welche Veränderungen sind erforderlich, um eine breite kulturelle Teilhabe zu ermöglichen und Barrieren abzubauen? Und welche Kooperationen und Netzwerke zwischen Kultureinrichtungen und weiteren Akteur:innen der Stadtgesellschaft sind nötig, um kulturelle Teilhabe effektiv zu ermöglichen und langfristig zu gewährleisten? Dieser Vortrag beleuchtet die Thematik aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive und berichtet von den Ergebnissen des Berliner Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung. Die Grundlage bildet eine quantitative Auswertung eines kontinuierlichen Besuchermonitoring für den Kulturbereich in Berlin (KulMon), das mit rund 500.000 interviewten Personen seit 2009 das größte Besuchendenmonitoring in Europa ist. Ebenso werden Einsichten aus einer qualitativen Untersuchung zur Berliner Jugendkulturinitiative präsentiert. Die Berliner Jugendkulturinitiative ist ein Förderprogramm der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt mit dem Ziel, Berliner Kunst- und Kulturinstitutionen durch wohnortnahe und partizipative Angebote für junge Menschen aller Milieus in der Stadt weiter zu öffnen. Während sich die Auswertung auf Berlin fokussiert, sollen die Erkenntnisse aus der qualitativen und quantitativen Forschung den Blick und die Diskussion über Berlin hinaus erweitern und anregen.

Jugendliche im Museum? (Monika Holzer Kernbichler)

Für Jugendliche ist der Zugang zu Kunst und Kultur oft nicht selbstverständlich. Um sie zu erreichen, sind neue Zugänge erforderlich: partizipative Formate, digitale Strategien und Themen, die an ihre Lebenswelt anknüpfen. Erfolgreiche Beispiele, wie partizipative Ausstellungen oder interaktive Formate, zeigen, wie Jugendliche aktiv eingebunden werden können. Oft scheitern Projekte jedoch, weil sie nicht relevant sind, zu wenig Raum für eigene Ausdrucksformen bieten oder weil die Jugendlichen sich nicht mit den Inhalten identifizieren können. Partizipation und Teilhabe im Museum erfordert eine offene Haltung sowie ein grundlegendes Verständnis des Publikums als aktiv Mitgestaltende.
Es stellt sich also die Frage, welche Themen und Formate für Jugendliche ansprechend sind, welche gescheitert sind und welche scheinbar wenig nachhaltig sind. Wie kann die Haltung eines Museums dazu beitragen, (Kunst)Ausstellungen als Medium für Auseinandersetzung, Begegnung und kritische Reflexion zu nutzen? Was braucht es, damit Jugendliche mitmischen, mitreden oder einfach etwas ausprobieren können? Wie sehr ist Mitsprache und Mitgestaltung im Museum aber möglich und erwünscht?

Museumskommunikation und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – das Beispiel der Uffizien (Tommaso Galligani)

Das Museum im 21. Jahrhundert – wie möglichst viele Personen mit den Kommunikationsmitteln unserer Zeit erreichen? Der Vortrag erzählt von der Autonomie der staatlichen Museen und deren Reform 2014; so dass 2017 erstmals ein Markenbild und eine Website für die Uffizien gestaltet werden konnte; es geht um die Beziehungen mit den Massenmedien und die Notwendigkeit, eine einfache Sprache zu sprechen; die Sozialen Medien als Brückenschlag zu jungen Menschen; die Social-Media-Auftritte der Uffizien; die verschiedenen Formate in den sozialen Medien. 

Vortragende

ADRIAN SCHOLZ ALVARADO ist Soziologe. Seit 2023 arbeitet er am Institut für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf) in Berlin, wo er das Besuchendenforschungssystem KulMon (KulturMonitoring) betreut und die Begleitforschung zur Jugendkulturinitiative durchführt. Aktuell: „Zentrale Erfolgsfaktoren für Kultureinrichtungen bei der Ansprache junger Menschen“ (mit Britta Nörenberg, Berlin 2024). Mitverantwortlich für das Programm der Connected Audience Conference 2025 „Culture & Young People – What Could Possibly Go Wrong?“. Zuvor wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sinus-Institut für Markt- und Sozialforschung, Seminare in der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung.

MONIKA HOLZER-KERNBICHLER ist Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin. Sie leitet die Kunstvermittlung am Kunsthaus Graz und der Neuen Galerie Graz, beide am Universalmuseum Joanneum. Seit 2005 lehrt sie an verschiedenen Universitäten Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften, Kunstvermittlung und zur Museumspraxis. Von 2020 bis 2025 war sie ICOM CECA Austria National Korrespondentin. Engagiert im Verband der Österreichischen Kulturvermittler:innen und im Österreichischen Museumsbund, hält regelmäßig Vorträge und ist als Autorin tätig. Aktuell: „Methoden der personalen Vermittlung im Museum“ (Eva Meran, Angelika Doppelbauer und Franziska Mühlbacher, Bielefeld 2025).

TOMMASO GALLIGANI Abschluss in Geschichte des Straftrechts in Florenz und in Journalismus in Bologna. Seit 2007 als Journalist tätig, bis 2018 bei ANSA, seitdem für Presse und Außenbeziehungen der Uffizien in Florenz verantwortlich, seit Dezember 2024 auch für die Social-Media-Auftritte der Galerie der Uffizien. Mitarbeit beim Kurs Online-Journalismus der Universität von Pisa. Autor dreier Romane und einer Gedichtsammlung. 

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Letzte Aktualisierung: 03/12/2025